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Macrorhabdus ornithogaster ("Megabakterien")

Dieser spezielle Keim und Krankheitserreger wird vielen Sittichhaltern, vor allem den meisten Wellensittich-Haltern, schon mal „begegnet“ sein, sei es an seinen eigenen Tieren, aufgrund von starke Krankheitssymptomen, beim tierärztlichen Routine-Check oder eben auch auf digitalem Weg in den verschiedensten Foren. Aber was genau ist Macrorhabdus ornithogaster? Was bewirkt er? Was kann ich als Halter tun, um meine Vögel davor zu schützen? Was muss ich wissen, wenn der Keim bei meinen Tieren festgestellt wurde?

Hintergründe

Macrorhabdus ornithogaster gehört nicht zu den Bakterien, obwohl der alte und landläufige Name „Megabakterien“ es zunächst vermuten lassen würde. Deshalb helfen auch grundsätzlich keine Antibiotika, egal ob sie von einem Tierarzt gespritzt, in den Schnabel oder über das Trinkwasser eingegeben werden. Es handelt sich um einen speziellen Hefepilz, der zum großen Teil auch immer wieder in äußerlich gesunden Tieren nachgewiesen werden kann. Nach aktuellen Schätzungen geht man davon aus, dass in ca. 80% aller Wellensittich-Bestände dieser Keim nachgewiesen werden kann. Deshalb ist es leider sehr leicht, dass man sich diesen Keim mit einem neuen Vogel in den Bestand einschleppt. Allerdings können viele Sittiche diesen Macorhabdus-Keim schon sehr lange in sich tragen, teilweise auch ausscheiden, aber erkranken selbst nicht daran. Deshalb gehen einige Fachleute mittlerweile davon aus, dass Macrorhabdus teilweise zur normalen Darmflora dazugehören könnte und eine tatsächliche Erkrankung dann nur unter bestimmten Zusatzstörungen ausbricht. Einer der wichtigsten Punkte zur Abwehr einer tatsächlichen Erkrankung durch Macrorhabdus ist in jedem Fall ein gut funktionierendes Immunsystem – dies gilt aber auch für alle anderen Infektionskrankheiten und sollte immer ein wichtiges Augenmerk bei der Versorgung unserer gefiederten Haustiere sein.
Leider sind zu diesem viel bekannten, berühmt-berüchtigten Hefepilz Macrorhabdus aber kaum aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bekannt, die viele offene Fragen exakt klären würden.
Fakt ist: es gibt – vor allem unter Wellensittichen – viele teils starke und lebensbedrohliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, die durch Macrorhabdus hervorgerufen werden.

Krankheitssymptome und Verlauf der Erkrankung

Wenn eine Erkrankung durch Macrorhabdus tatsächlich ausbricht, sind häufig Stress (körperlicher sowie psychischer) und andere Schwächungen des Immunsystems ein direkter Mit-Auslöser. So können Partnerverlust, Neu-Verpaarung, Schwarm-Veränderungen, Futterumstellungen oder auch andere Grunderkrankungen zum eigentlichen Ausbruch der sogenannten Macrorhabdiose führen.
Eine steigende Anzahl sich stetig vermehrender Macorrhabdus-Keime im Magen-Darm-Trakt des Vogels führen hintergründig vor allem zu schweren Reizungen der Magenschleimhaut und zu Entzündungen bis hin zu Magen- und Darm-Geschwüren. Zusätzlich hat vor allem die stärker werdende Störung der Verdauungstätigkeit einen großen Einfluss auf das betroffene Tier: die aufgenommene Nahrung, die gefressenen Körner werden nicht mehr ausreichend verdaut und werden mehr und mehr als unverdaute Reste bis hin zu komplett unverdauten Körnern im Kot wieder ausgeschieden. Die Folge davon ist, dass der Vogel mehr Hunger hat, weil weniger Energie aus der Nahrung in seinem Organismus ankommt. Dieser Hunger bis hin zum drastisch gesteigertem Fress-Wahn ist eine sehr typische Beobachtung bei den erkrankten Vögeln. Und trotz des massiven Fressens nehmen die erkrankten Vögel massiv ab. Diese Macrorhabdiose ist also eine Erkrankung, wo die Tiere leider tatsächlich „vor dem vollen Futternapf verhungern können“. Deshalb wird diese Krankheit auch „Going-light-Syndrom“ („Leichter-werden-Syndrom“) genannt.

Die Anfangsstadien der Erkrankung bleiben häufig unerkannt. Die Vögel fressen gut bis sehr gut und zeigen nur selten kurzzeitige Schwäche, leichte Abgeschlagenheit und teils beginnende Kotveränderungen mit leichtem Durchfall. Mit zunehmenden Verdauungsstörungen kommt es zum beschriebenen übermäßigen Fressen mit starker Abmagerung sowie zu vermehrter Schwäche, Aufplustern, Flug- und Bewegungsunlust sowie zu deutlich verändertem Kot, teils mit Körnern im Kot, bis hin zu Erbrechen. Das Erbrechen zeigt sich meist erst im späten Stadium der Erkrankung, also dann wenn die Tiere teils schon stark geschwächt und hochgradig abgemagert sind. Deshalb sollten alle auch noch so leichten Anfangssymptome einer beginnenden Erkrankung sehr ernst genommen werden, damit eine schnellstmögliche Diagnose und Therapiebeginn beim vogelkundigen Tierarzt erfolgen kann. Ein Wellensittich, der schon auf unter 30 g abgemagert ist, hat häufig selbst unter stationären Bedingungen und mit künstlicher Ernährung nur noch geringe Chancen auf eine Erholung.

Diagnose und Behandlung

Eine Diagnose dieser Erkrankung erfolgt beim vogelkundigen Tierarzt. Dazu wird eine Kotprobe mikroskopisch untersucht, in der sich dann eventuell die typischen Macorhabdus-Keime nachweisen lassen. Allerdings ist der Nachweis dieser im Magen sitzenden Erreger nicht immer und nicht in jeder Kotprobe möglich, auch wenn vielleicht eine typische Erkrankung vorliegt. Deshalb wird bei typischen Krankheitssymptomen manchmal auch ohne direkten Erregernachweis eine Behandlung gegen Macrorhabdus durchgeführt. Dies trifft vor allem dann zu, wenn andere fragliche Infektionserreger wie Trichomonaden (einzellige Parasiten im Kropf) oder Bakterien nicht als Krankheitsverursacher in Frage kommen.
Für die Behandlung gibt es nur einen einzigen Wirkstoff, der eingesetzt werden kann: Amphotericin B. Dieses Antimykotikum (z.B. Ampho-Moronal® Suspension) hat eine starke Wirkung auf den Pilz und sollte ausschließlich oral verabreicht werden, da die Suspension komplett im Magen-Darm-Trakt verbleibt und von dort nicht in den Körper aufgenommen wird. Im Gegensatz dazu führt das Spritzen von Amphotericin B zu sehr starken Nebenwirkungen und ist stark lebertoxisch.
Eine Behandlung kann unter Umständen mehrere Wochen andauern. Die Dauer der Behandlung, die Dosis des Medikamentes sowie die Art der Verabreichung (direkt oral eingegeben oder über das Trinkwasser) muss je nach Fall und Schwere der Erkrankung vom behandelnden vogelkundigen Tierarzt bestimmt werden. Eigenmächtiges Verändern der Therapie, vorzeitiges Absetzen des Medikamentes, Zumischung anderer Stoffe oder ähnliches kann dazu führen, dass die Erkrankung nicht ausreichend behandelt werden kann. Deshalb sollte grundsätzlich eine Therapieänderung ausschließlich nach Absprache und Empfehlung des behandelnden Tierarztes erfolgen.
Der Erfolg einer solchen Behandlung wird dann am Ende der empfohlenen Therapiedauer über eine erneute Kotprobe, Gewichtskontrolle und Gesundheitskontrolle durch den vogelkundigen Tierarzt bestimmt.
Begleitend zur Therapie empfehlen wir, dass die betroffenen Vögel vorübergehend nicht auf Sandeinstreu gehalten werden, um ein durch das Unwohlsein hervorgerufenes vermehrtes Sandfressen zu vermeiden. Zu viel aufgenommener Sand kann bei den ohnehin schon schwerwiegenden Entzündungen und Reizungen der Magen- und Darmwände noch zusätzlich mechanisch schädigen. Während der Therapie sollte auch grundsätzlich auf das Füttern von Obst und anderen zucker- oder fruchtzuckerhaltigen Futtermitteln verzichtet werden, da diese zusätzlich die Hefepilze mit „anfüttern“ können.


Vorbeugung und Früherkennung

Eine direkte Vorbeugung/Prophylaxe gibt es nicht für diese Erkrankung. Wichtig ist grundsätzlich das Vermeiden von unnötigen Stresssituationen sowie die Förderung und Erhaltung eines gesunden Immunsystems. Dies geschieht vor allem durch eine passende Paar- oder Schwarmhaltung bei ausreichend Platz und Flugangebot und mit einer sehr guten, ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung mit viel Kräuter- und Gemüsefütterung.
Darüber hinaus ist die sehr gute Beobachtung der gehaltenen Vögel enorm wichtig. Je früher eventuelle und noch leichte Krankheitssymptome auffallen, um so früher kann die Diagnose und damit auch die richtige Therapie einer Erkrankung erfolgen, wodurch die Heilungsaussichten enorm steigen. Bereits über 1-2 Tage andauernde leichte Kotveränderungen, gelegentliches Unwohlsein, Aufplustern oder häufigeres Schlafen und Ruhen können beginnende Symptome sein. Darüber hinaus ist vor allem bei der Macrorabdiose die regelmäßige Gewichtskontrolle eine wichtige Überwachungsmöglichkeit. Ein Vogel, der sehr gut frisst, wird von den meisten Haltern nicht unbedingt als krank eingeschätzt. Ein aber langsam sinkendes Gewicht bei sehr gutem Appetit kann ein wichtiges Mittel zur Früherkennung sein und sollte Sie direkt zu einer Terminvereinbarung in einer Vogelpraxis veranlassen.

Zusammenfassung

Der zu den Pilzen zählende Erreger Macrorhabdus kann bei Vögeln sehr schwere Verdauungsstörungen mit starkem Abmagern hervorrufen. Eine Diagnose und Therapie sollte ausschließlich vom vogelkundigen Tierarzt fachgerecht erfolgen. Je besser Sie Ihre Vögel kennen und je frühzeitiger Ihnen deshalb Veränderungen und Krankheitssymptome auffallen, um so besser und erfolgreicher kann eine Behandlung verlaufen. Für die Durchführung der Therapie und deren Erfolg ist ein striktes Einhalten der tierärztlichen Empfehlungen und Anweisungen unbedingt einzuhalten.

In diesem Sinne wünschen wir gute Besserung!

Ihr Team der Praxis für Vögel & Reptilien,
Berliner Str. 69, 14169 Berlin
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