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Würgen/Erbrechen

Insbesondere kleine Sittiche werden häufig mit Würgen und/oder Erbrechen beim Tierarzt vorgestellt. In solchen Fällen sollte der Tierarztbesuch auch deshalb nicht hinausgezögert werden, da aufgrund der hohen Stoffwechselrate dieser kleinen Vögel zeitig mit einem Energieverlust und Abmagern, sowie einer Dehydratation (Austrocknen) zu rechnen ist. Des Weiteren sind Gewichtsveränderungen rein durch äußerliche Betrachtung häufig nicht zu erkennen, da das Gefieder den Blick auf Brust und Bauch verhindert. Würgen und Erbrechen kann eine Vielzahl von Ursachen haben, von denen einige hier näher beleuchtet werden. Letztendlich kann aber nur der Tierarzt nach entsprechender Untersuchung eine genaue Diagnose stellen, die für die erfolgreiche Therapie unabdingbar ist.

Zu einer solchen Untersuchung gehören die Bestimmung des Körpergewichts und des Bemuskelungszustandes, die Kontrolle der Schleimhäute und des Gefieders, das Abhören von Herz, Lunge und Luftsäcken, sowie das Abtasten der Gliedmaßen und des Bauches. Diese sogenannte klinische Allgemeinuntersuchung gibt Aufschluss über die Dauer des Erkrankungszustandes (je länger die Krankheit besteht, umso schlechter der Ernährungs- und Muskelzustand), sowie über den Sitz der Erkrankung (Vögel mit Bauchschmerzen können Unwohlsein beim Abtasten des Bauches äußern).
Zur eindeutigen Diagnosestellung müssen allerdings in den meisten Fällen weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden. Dies können zum Beispiel die mikroskopische Untersuchung von Kropf- und Kloakenabstrichen, eine bakteriologische Anzucht von Abstrichen, das Anfertigen von Röntgenaufnahmen oder eine Blutuntersuchung sein. Welche Untersuchungen genau nötig sind, um eine Diagnose stellen zu können, entscheidet der Tierarzt aufgrund des Vorberichtes und den Befunden der klinischen Untersuchung.

Bei der „Megabakteriose“ handelt es sich um eine ansteckende, durch Pilze (Macrorhabdus ornithogaster) ausgelöste Erkrankung, die insbesondere bei kleinen Papageienvögeln (Wellensittiche, Nymphensittiche) und Finken auftritt.
„Megabakterien“ wurden früher aufgrund ihres Aussehens im gefärbtem Ausstrich den Bakterien zugeordnet, inzwischen ist aber gesichert, dass sie den Pilzen angehören. Die Erreger können im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen und werden teilweise sogar bei klinisch gesunden Vögeln nachgewiesen, ohne dass diese Krankheitsanzeichen zeigen. Bei besonders starkem Befall mit „Megabakterien“ kommt es zu schmerzhaften Magengeschwüren. Die Folge sind Verdauungsstörungen und es kommt zu dem so genannten "Going-light-Syndrom", bei dem die Tiere trotz gesteigerten Appetits zunehmend abmagern.
„Megabakterien“ können in Kropf- und/oder Kloakenabstrichen nachgewiesen werden, allerdings kann die Ausscheidung periodisch unterbrochen sein, weshalb die sicherste Nachweismethode die Untersuchung von Sammelkotproben darstellt. Hierzu wird über die Dauer von 3 Tagen Kot gesammelt und beim Tierarzt mit einer Spezialfärbung untersucht.

Pilzinfektionen des Magen-Darm-Traktes können aber auch durch Hefepilze hervorgerufen werden. Diese haben eine besonders große Bedeutung bei Jungtieren. Meist handelt es sich um sogenannte Faktorenerkrankungen, das heißt dass mehrere Umstände zusammenkommen müssen, um tatsächlich eine Erkrankung auszulösen. Beispielsweise kann eine Schwächung des Immunsystems, zusammen mit einer Futterumstellung oder unhygienischen Haltungs- und Fütterungsbedingungen zu einer Vermehrung dieser Pilze führen, was letztendlich in einer Erkrankung des Tieres endet. Jungtiere sind besonders anfällig, besonders bei künstlicher Aufzucht, da es durch die Sondenfütterung zu winzigen Schäden der Schleimhaut kommt. Ebenso gefährlich ist die Verfütterung zur großer Mengen oder zu heißen Futterbreis. Hefepilzbefall tritt auch häufig im Anschluss an bakterielle und virale Entzündungen auf. Die sicherste Nachweismethode ist die mikroskopische Untersuchung, sowie die Anzucht von Kropf- und Kloakentupfern.

Auch Bakterien können zu einer Kropfentzündung und somit zu Würgen und/oder Erbrechen führen. Zur bakteriellen Normalflora des Papageienkropfes gehören ausschließlich grampositive Bakterien, wie z.B. Staphylokokken oder Streptokokken. Auch Laktobazillen werden bei entsprechender Fütterung häufig isoliert. Bakteriell bedingte Infektionen des Magen-Darm-Traktes mit gramnegativen Keimen müssen bei Papageien daher immer medikamentell behandelt werden, während die Keime der Normalflora in bestimmten Fällen ebenfalls Erkrankungen hervorrufen können. Meist handelt es sich hierbei ebenfalls um sogenannte Faktorenerkrankungen. Hier kommt es zum Beispiel durch exzessive Partner- (oder Spiegel)fütterung zu einer Reizung der Kropfschleimhaut und nachfolgend zu einer krankmachenden Vermehrung der vorhandenen Bakterien. Die Anzucht der Erreger auf speziellen Nährmedien ist sehr wichtig um die Schädlichkeit des Erregers bestimmen und ein geeignetes Antibiotikum zur Behandlung auswählen zu können.

Auch eine Fremdkörperaufnahme, zum Beispiel kleine Perlen, Knöpfe oder die Fasern eines Sisal-Seils können zu Würgen und Erbrechen führen. Befindet sich der Fremdkörper noch im Kropf kann beim Abtasten des Kropfes häufig eine Struktur ertastet werden. Eine sichere Diagnose wird durch Röntgenaufnahmen oder eine bildliche Darstellung (Endoskopie) gestellt. Befindet sich der Fremdkörper schon im Magen, kann er nicht mehr ertastet werden, die Anfertigung von Röntgenaufnahmen hilft aber auch hier die Ursache des Erbrechens festzustellen.


Fazit
Aufgrund der ähnlichen Symptomatik ist eine entsprechende Diagnostik im Krankheitsfall unumgänglich um die Auswahl der richtigen Therapie und somit eine Heilung des Vogels zu ermöglichen. Vögel, deren Verhalten sich merklich verändert (vermehrtes Schlafen, Fressunlust, veränderte Körperhaltung, Absonderung vom Partnertier) oder die Krankheitssymptome zeigen sollten zeitnah beim Tierarzt vorgestellt werden um ein Voranschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Bei weiteren Fragen zur Gesunderhaltung, Krankheitsvorsorge, Neukauf, Ankaufsuntersuchung oder weiteren Zusatz und Laboruntersuchungen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:

Praxis für Vögel & Reptilien
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